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MATTHIAS SCHAMP
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matthias schamp wurde
1964
in bochum geboren
lebt in bochum und essen

1982-90
studium der kunstgeschichte
und philosophie

seit 1989
arbeit als autor und künstler

fortsetzung nach den news


kontakt: M.Schamp@gmx.de




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2007
MATTHIAS SCHAMP
SORGT FÜR MERKWÜRDIGE VORGÄNGE
IN DER AUSSENVITRINE DES 'GÄSTEZIMMERS'
IN DEM KLEINEN ÖRTCHEN WOLHUESEN
SCHWEIZ








MATTHIAS SCHAMP
KORRESPONDIEREND ZUM STREIFENMUSTER
DER MARKISE AUF DER ANDEREN SEITE DER TÜR
DIE ÜBERRASCHUNGEN IN DER AUSSTELLUNG
WAREN NOCH GRÖSSER










matthias
schamp
NEWS


siehe auch weitere seite mit den
neusten heldentaten
> hier



matthias schamp



AKTIONEN SEIT 2009 HIER

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AUSSTELLUNGEN 2008

Dortmund
Kunstverein
gem. mit Gilbert Geister
„Der Gulp“

Neukölln
Kulturamt
space thinks

Klingenthal Basel (CH)
Ausstellungsraum
„Him Hanfang“

Delden (NL)
MIKC
„Waste Not - Want Not“

Kiel
Galerie Umtrieb
„Werkschau VI“

Düsseldorf,
Galerie arteversum
„Woher kommen wir...“


herbst 2008

RIXDORFER VERGOLDUNGD
eine aktion innerhalb des projekts space thinks
in kooperation mit dem kulturamt neukölln



ECHTGOLDSTAUB
SCHWEBT VOM HEISSLUFTBALLON ABGEWORFEN ÜBER BERLIN RIXDORF / KUNST ADELT EIN BESCHEIDENES VIERTEL DURCH EINE GEWALTIGE POETISCHE AUFLADUNG /
SCHAFFT BEWUSTSEIN


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frühjahr / sommer 2008

matthias schamp ist auf sichtungs und auswahlreise
in südafrika
/ teilnahme am bilateralem kuratoren-austauschprogramm deutschland-südafrika, zweimonatiger
aufenthalt in südafrika mit arbeitsplatz in der national gallery, kapstadt


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2007

konzept & organisation von "reflektieren und frittieren“, veranstaltungsreihe zum verhältnis von
high culture und alltagskultur im kunstmuseum Bochum


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2007

gem. mit steffen schlichter konzept und organisation von beauty farm, performance und videokunstereignis
für neue kunst im hagenbucher, heilbronn


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2007

matthias schamp ist stipendiat
der stadtmühle willisau
schweiz
für das jahr 2007


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bis november 2007

matthias schamp gehört zu den finalisten des
gesellschafter awards 2007
die endentscheidung fällt im november/
mitbewerber sind bernhard buhmann, enrico duddeck
sibylle ewald, susan feind, steffi hanna, magda krawcewicz
dominik pawlowski, andy scholz, katja sudec


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oktober / november 2007

ausstellung
19.10. - 25.11.2007
stadtmühle willisau
schweiz
gem. mit anett frontzek


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september / oktober 2007

GRUPPENAUSSTELLUNGEN
transfer türkye-nrw

o ludwigforum für internationale kunst
aachen
o halle für zeitgenössische kunst
münster
o museum bochum


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mai 2007

das gästezimmer
wolhusen
schweiz
www.dasgaestezimmer.ch


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april / mai 2007

MATTHIAS SCHAMPS ERSTES HÖRSPIEL
der aufstand in den sinnscheiße-bergwerken
ein revolutionsdrama
10. april, 1live 23 uhr
7. mai, WDR 3 23:05 uhr
regie: beate andres


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märz / mai 2007

ausstellung
29.3 - 5.5.
galerie umtrieb
kiel
www.umtrieb.de


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februar / märz 2007

ausstellung
10.2 - 18.3.
trittau
realitätsunterstützende maßnahmen


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oktober november 2006

MATTHIAS SCHAMP‘S KUNST
IN DER TÜRKEI

siehe auch weiter unten:
transfer-stipendium
des landes nordrhein-westfalen.
damit verbunden ist

2006
ein zweimonatiger aufenthalt in der türkei

2007
ausstellungen in deutschen und
türkischen museen


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juli/september 2006

ausstellung
'und es bewegt sich doch'
11.6. bis 3.9.
museum bochum

die frankfurter allgemeine
brachte m. schamps beitrag zu dieser ausstellung
als optischen aufmacher





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mai 2006

weltweit
ERSTE HORIZONTAL- DEMONSTRATION
in fließrichtung [rhein]
ein kunstprojekt mit zuschauerbeteiligung

donnerstag 11. mai, 14 uhr 2006
bonner rheinufer
höhe raiffeisenstraße









videos von dieser aktion
auf www.einfallsreich.tv





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februar 2006

MATTHIAS SCHAMP‘S KUNST
IN DER TÜRKEI

soeben erhielt matthias schamp
ein transfer-stipendium
des landes nordrhein-westfalen.
damit verbunden ist

2006
ein zweimonatiger aufenthalt in der türkei

2007
ausstellungen in deutschen und
türkischen museen

SCHAMP‘S
DENKWELT IN
TÜRKISCHEN
MUSEEN



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oktober 2005
matthias schamp mit seinem
mythosgrill >version borken<
auf der skulpturenbienale
münsterland

28. oktober 15-18 uhr
marktplatz/borken

gekürzter pressetex:
das unternehmen [matthias schamp]
hat sich darauf spezialisiert geschäfte im raum des
kollektiven bewusstseins zu tätigen und ist zugleich
alltagsarchäologische spielstätte

der mythos-grill ist immer dort besonders gefragt
wo es darum geht das verhältnis von alltagskultur
und high culture zu hinterfragen


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september 2005
matthias schamp
okkupation
interventionen im öffentlichen raum

von der angekündigten flutung der
gropiusstadt/neukölln/berlin
hat matthias schamp nach dem
eintreten mehrerer originalfluten abstand genommen.
er bietet stattdessen exkursionen auf dem
„botanischen lehrpfad karl-marx-straße“ an ...
alle salatsorten auf plakaten und in schaufenstern
werden einbezogen


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mai 2005
wort und bühne im kulturzentrum zakk
sonntag 29. mai 18:00 uhr
düsseldorf
autorengespräch & lesung
SOFAGEFLÜSTER MIT MATTHIAS SCHAMP
moderation pamela granderath


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wir sind das bild-demonstrationen
1999 - 2005
matthias schamp
mit seinen
wir sind das bild-demonstrationen
auf dem weg zur internationalen
anerkennung

2004 / herbst
audioversion
graz / österreich

2004 / herbst
documentahalle und
staatstheater
kassel

2004 / sommer
muu galleria
helsinki / finnland

2003
stuttgarter kunstverein

2002
westfälischer kunstverein
münster

2002
dortmunder kunstverein

2001
gallery for contemporary art
sunderland / grossbritanien

1999
kunsthaus
essen

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matthias schamp 's
engagements

1990
konzept und organisation der ausstellung
die unsichtbare schwelle / objets perdus
krefeld/bochum

1991 bis 1993
mitbegründer der literaturcombo
woyzecks in casablanca

1991
gründung des
büros für syntaktische konfusion

1991 bis 1996
herausgeber der zeitschrift
non(+)ultra

1993
gastspiel an der landesbühne niedersachsen
beweisaufnahme/sprachperformance

1995
konzeption und moderation
in vorbereitung auf den helixhochbau / essen
symposium zum erweiterten kunstbegriff
14-teilige veranstaltungsreihe
essen

seit 1997
viele vorträge an diversen
universitäten und institutionen

1998
symposium
'inwiefern können künstlerische prozesse
als material im künstlerischen sinn
verstanden werden'
dortmunder künstlerhaus
(gemeinsam mit an seebach)

2003
lehrauftrag an der bauhausuniversität weimar für -kunst im öffentlichen raum und neue künstlerische strategien-

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matthias schamp 's
einzel- und gruppenausstellungen

seit 1990
zahlreiche nationale und internationale auftritte

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matthias schamp 's
performances
siehe auch museum saal 2

seit 1993
ein aktives und reiches performanceleben
die performance ist ständiges element seiner künstlerischen auseinandersetzung


wir-sind-das-bild-demonstrationen
2004 audioversion, graz, österreich
2004 documentahalle und staatstheater kassel
2004 muu galleria helsinki
2003 stuttgarter kunstverein
2oo2 westfälischer kunstverein münster
2002 dortmunder kunstverein
2001 gallery for contemporary art, sunderland (gb)
1999 kunsthaus essen

der mythos-grill
2004 semimanifestation/ galerie am rathaus bochum
2001 projekt -areale neukölln gropiusstadt- berlin
1998 gründung des mythos-grill in zusammenarbeit
mit dem archäologischen museum münster

beweisaufnahmen
2001 kunstmuseum ahlen
2001 kunstmuseum bochum
2000 europäisches festival für musiktheater düsseldorf
1997 theater toihaus salzburg
1996 neue kunst im hagenbucher, heilbronn
1993 landesbühne niedersachsen nord

2002
wirsingperformance

in der kreissparkasse schöppingen
in zusammenarbeit mit der stiftung künstlerdorf schöppingen

objets perdus
einstiegsluken in eine topologie
der verlustig gegangenen dinge,
essen

2001
das prinzip der schmidtstrasse
neue kunst im hagenbucher, heilbronn

hamsterperformance
im kunstkäfig der sutter-gruppe, essen

shopwindowreading
sunderland (gb) in collaboration with northern gallery for contemporary art

2000
radioplastik
stuttgart 11. juli, 97,2 mhz
freies radio für stuttgart und bär on air

bei regen findet die veranstaltung nicht statt
kunstverein siegen

seit1998
'günter bruno fuchs'-gedächtnistrinken

1998
hubschrauberaktion
paulusschule velen-ramsdorf
in zusammenarbeit mit der stiftung künstlerdorf schöppingen

1997
schaufensterlesung
stuttgart, in zusammenarbeit mit oberwelt e.v.polyzone


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matthias schamp's
buchveröffentlichungen

kämm dir den lobeer aus dem fettigen haar
gedichte, sassafras-verlag
/mit unterstützung des landes NRW/
krefeld 1991
ISBN 3-922690-39-4

klopfzeichen.
beitrag zur syntaktischen konfusion
essay, krash-verlag, köln 1991
ISBN 3-927452-16-5

den berg hineinfressen
gedichte, corvinus-presse, berlin 1994
ISBN 3-910172-27-X (vergriffen)

mit claudia heinrich gem. Hg.
in vorbereitung auf den helix-hochbau,
symposium zum erweiterten kunstbegriff
kunsthaus essen, 1995
ISBN 3-931201-03-1

mit claudia heinrich
der helix-hochbau, ereignisse zum erweiterten kunstbegriff
kunsthaus essen-verlag 1996
ISBN 3-931201-05-8

26 verlierer von a-z
garstige grotesken, edition selene, klagenfurt-wien 1996
ISBN 3-85266-020-3

sixpack / kontext texte
experimentelle literatur; krash-verlag, köln 1996
ISBN 3-927452-85-8

der mythos-grill
eine imaginäre pommesbude
in zusammenarbeit mit dem senatsausschuss für kunst und kultur der westfälischen wilhelms universität, der stiftung künstlerdorf schöppingen sowie dem archäologischen museum münster, 1998

matthias schamp hirntreiben


hirntreiben.eeg
ein westernroman
edition selene, wien 2000
ISBN 3-85266-102-1

zärtliche massaker
neue geschichten aus dem ruhrgebiet
edition selene, wien 2003
ISBN 3-85266-206-0


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matthias schamp
in anthologien

in 17 anthologien
zum teil mit mehreren beiträgen vertreten

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matthias schamp
im hörfunk

Planet of zärtliche Massaker, Eine Nacht im Ruhrgebiet mit Matthias Schamp, von Thomas Böhm, WDR 3, WortLaut, 23.10.2003

Lauschangriff mit Matthias Schamp, EinsLive, 7.12.2001

Vorwärts, marsch, ihr Mutagene!, WDR 3, 16.11.99 (Forum Posie)

Archibald / Elvis / Flugbenzin / Quentin, (aus 26 Verlierer von A bis Z), Bayrischer Rundfunk, 27.7.1997

Herr Keuner - nach Brecht und Äsop, (aus 26 Verlierer von A bis Z) im WDR 3 1996 (Magazin 'Mosaik')

Es ist ja auch nicht ihr Magen, kurzes Hörstück im ORF 1996 (Sendung 'Im Sumpf')

4 Geschichten aus 26 Verlierer von A bis Z im ORF 1996 (Sendung 'Im Sumpf')

12 Geschichten aus 26 Verlierer von A bis Z + Porträt/Interview im Österreichischen Rundfunk (Musicbox, ORF 3), 21.4.1994

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matthias schamp 's
preise &
stipendien



2008 Stipendium Künstlerhaus Lukas in Ahrenshoop, gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern

2007 Stipendium Stadtmühle Willisau (CH)

2006 Transfer-Stipendium des Landes NRW

2004 Stipendium Künstlerhaus Kloster Cismar des Landes Schleswig-Holstein

2001-02 Kunstkäfig-Stipendium der Sutter-Gruppe, Essen

2000 Artist in Residence, Northern Gallery for Contemporary Art, Sunderland (GB)

1998 Stipendium Künstlerdorf Schöppingen

1998 Preis für Prozessorganisation, vom Kunstseminar Freie Hochschule Metzingen (jetzt FH Schwäbisch-Hall)

1993 Junge Kunst im Ruhrgebiet - W.-Zimolong-Wettbewerb, Sonderpreis der Stadt Gladbeck




matthias schamp
juni 2004

1.finnische
>wir sind das bild-demonstration<
helsinki

matthias schamp in helsinki

gefördert vom goethe institut



O




matthias schamp
arbeitet unter anderem
für das satiremagazin titanic


matthias schamp schlechte verstecke

motiv aus der serie
schlechte verstecke








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matthias
schamps
bücher
begeistern

Hilfsprogramme auf dem Weg ins Nichts
Matthias Schamps Roman
Hirntreiben

durchmisst die Festplatte


Von Mario Alexander Weber



Sam, Bill, Jim, Joe, Mack, Fred, Scotty und Kid sind stolze „Brainboys“. Ihr Auftrag: auf einer Computerplatine eine riesige Herde Hirne Richtung Osten zu treiben.

„Und es gab Tamtamhirne. Und es gab Gagahirne. Und es gab Egalhirne. Und es gab fanatische Hirne. Es gab Hirne über Hirne, tausend verschiedene Arten von Hirnen - so weit das Auge reichte. Das ganze Tal war grau von Hirnen. Eine in der Hitze dampfende gigantische Masse.“

Auf ihren gezähmten Reithirnen galoppieren die Brainboys durch das Datengras der Prärie, den Colt in der einen, das Synapsenlasso in der anderen Hand; harte, raue Burschen, die abends am Leuchtdioden-Lagerfeuer sitzen, im Informationsfluss angeln und erledigen, was die Programmierung ihnen aufgetragen hat. Für die Brainboys, einfache Hilfsprogramme, doch vom System mit einem Ich-Bewusstsein ausgestattet, existiert keine Welt, keine Realität mehr außerhalb des Rechners. Die der Computertechnik unterlegene Menschheit ist untergegangen, übrig geblieben sind ihre zum Herdenvieh degradierten Hirne, denen seitens der Brainboys keine Intelligenz zugesprochen wird.

Wer jetzt den Kopf schüttelt und dieses Szenario für ausgemachten Schwachsinn hält, etwas für Nerds, Computer-Freaks oder eher schräge Science-Fiction-Anhänger, und statt dessen lieber zu einem der derzeit angesagten Identitätsromane US-amerikanischer Autoren greifen will, dem sei gesagt: Schamps Idee ist genial und sein Roman ist hoffentlich mehr als nur eine Fußnote im großen Buch „Wo bin ich überhaupt?“, dessen Lektüre regelmäßig für große Heiterkeit bei den Systemadministratoren sorgt. Spätestens seit der „Matrix“-Trilogie dürfte sich der Gedanke, dass das Ding an sich vielleicht von einem Computerprogramm generiert sei und sich hinter der so genannten Realität vielleicht etwas ganz, ganz anderes verstecken könnte, als das, was ich auf der Netzhaut wahrnehme, bis in die allerletzte Furche Oberbayerns verbreitet haben. Bildungsmenschen und Kinoverächter verweisen lieber auf Descartes, der es ja auch mit isolierten Hirnen hatte, Cineasten auf Rainer Werner Fassbinders grandiosen TV-Zweiteiler „Welt am Draht“, eine Verfilmung von Daniel Galouyes gleichnamigen Roman, und das alles im Konjunktiv und in Zeiten, in denen man Schamps Romantitel „Hirntreiben“ auch metaphorisch verstehen könnte.

„Welche Informationen?“, fauchte ich.

„Daß Ihre Welt auch nicht existiert! Sie ist nichts anderes als ein Komplex veränderlicher Ladungen in einem Simulator ...“ (aus „Welt am Draht“).

Schamp dreht die große Frage nach der Virtualität des Daseins einfach um. In „Hirntreiben“ sind es die auf 0 und 1 basierenden Hilfsprogramme, die an der „Wirklichkeit“ verzweifeln. Der Leser erfährt ebenso wie die Brainboys nie, warum die Hirne eigentlich gen Osten getrieben werden, was dort mit ihnen passieren soll. Dass man sie essen kann, dass sie gut schmecken, legt eine Schlachtung nahe. Doch als Kid, ich greife voraus, als letzter Überlebender nach einer langen Reise ans Ende der Festplatte gerät - die Welt ist also doch eine Scheibe - stürzen sich die Hirne über die Kante ins Nichts, als ob das von jeher ihre Bestimmung gewesen wäre: die Flucht aus der Virtualität. Wer den Western „Red River“ kennt, weiß, dass eigentlich am Ende eines Viehtrecks die Bahnstation stehen muss, eine Verladung der Viecher in Waggons, hin zu den Schlachthäusern. Nichts von alledem in Schamps Roman. Die Hirne springen über die Festplattenkante, und dieses Ende zitiert das Ende der Spukstadt aus Michael Endes „Unendlicher Geschichte“. Das Nichts umschließt die berühmteste Stadt Phantasiens und der Werwolf Gmork erzählt Atreju, was mit denjenigen passiert, die ins Nichts gehen: Vielleicht werden sie zu einer Lüge ... Das Gehirn als Unwahrheit im Betriebssystem eines Rechners, allerhand.

Tausend und ein weiterer Verweis ließen sich aufzählen: Lewis Caroll, George Orwell, Niklas Luhmann. Literarisch geerdet ist Schamps Roman an Groschenheft-Western aus dem Bahnhofskiosk und der Marlboro-Werbung, die man mythologisch zugeteert als Vorfilm im Kino zu sehen bekommt. Doch Schamps Hilfsprogramme rauchen nicht, über dieses menschliche Laster sind sie schon lange hinweg. Nichtsdestotrotz treiben sie dieselben Fragen herum, die auch die Menschheit in den Untergang getrieben haben könnten. Brainboy Fred ist es, den auf ihrem Ritt gen Osten die Zweifel überkommen. Er liest die Texte auf den Datenhalmen, die angeblich von Menschen erdacht worden sind. Gedichte von Rilke, wissenschaftliche Abhandlungen über Kybernetik, technische Fachliteratur. Vielleicht sind diese Hirne, die wir hier - warum überhaupt? - über die Festplatte treiben, gar nicht so dumm, wie wir annehmen. Freds Gedanken. Fred stellt die Vermutung auf, dass der Horizont nur so weit reicht, wie sie sehen. Sprich: Dahinter kommt nichts. Hinter ihnen verschwindet alles, sobald es aus dem Blickwinkel gerät. Alle Büsche, fällt Fred auf, haben immer exakt denselben Abstand voneinander. Das System gibt ihnen eine Landschaft vor. Sie könnten unendlich lange so weitergehen. Hamster im Laufrad.

Jeder, der einmal das Computerspiel „Siedler“ oder ähnliches gespielt hat, kennt diese Situation. Fred, das skeptische Hilfsprogramm, beginnt das „Scheißsystem“ zu hassen. Das System mache zu viele Fehler, argumentiert er. „Versündige dich nicht gegen die Programmierung“, entgegnet darauf der sehr religiöse Bill. Programme, die zuviel grübeln, werden vom allmächtigen System ohne jede Vorwarnung gelöscht. Verschwinden einfach. Fred ist der erste, der sich „weggrübelt“. Es passiert kurz nachdem der Trupp an einer Schnittstelle vorbei kommt. Fred träumt von einem Leben außerhalb des Rechners, er spricht aus, wovon seine Kollegen nicht einmal zu träumen wagen: Es könnten Ausgabemedien, sprich Drucker, existieren. Es könnte tatsächlich eine „reale“ Welt existieren, irgendwo da draußen. Seine Kumpels zucken verstört mit den virtuellen Schultern. Wir sind doch reell, entgegnen sie. Wir sind die nächst höhere Stufe der Evolution. Fordere kein Unheil heraus!

Fred der Skeptiker ist das virtuelle Pendant zu den Zweifelnden aus Aldous Huxleys schöner, neuer Somawelt. Ein ironischer Nachhall der Forderung „Recht auf Unglück“ des Wilden im Gespräch mit Systemlenker Mustafa Mannesmann liegt in Freds Euphorie:

„Mensch, Kid, stell dir vor: Realität! [...] Zugegeben, dort draußen muß es jetzt reichlich wüst aussehen. Aber es muß trotzdem ein herrliches Gefühl sein, den heiligen Boden zu berühren. Stell dir vor: Atompilze. [...] Wenn die knatschgrüne Sonne über den grellorangen kontaminierten Ebenen aufgeht. Oder wenn fluoreszierende Bakterienstämme über geborstene Büroeinrichtungen wabern. Atemberaubend. Die Schwelbrände, der Fallout, die Gerippewälder, Goofy und Micky-Maus... Mann, muß das schön sein!“

Vielleicht hat Romanautor Matthias Schamp, der laut Klappentext auch als Konzeptkünstler im Ruhrpott aktiv ist, in seinem „Hirntreiben“ die Schraube überdreht. „Wenn die knatschgrüne Sonne...“ ist für den Popsozialisierten leicht als abgewandeltes Zitat der Combo „Geier Sturzflug“ zu erkennen. Aus dem Atomangst-Song „Besuchen Sie Europa“, Zusatz: Solange es noch steht. Den anämischen Hilfsprogrammen in der schönen, neuen Computerwelt, die sich nach der verstrahlten Welt draußen sehnen, würde Mustafa Mannesmanns Antwort auf die „Recht auf Unglück“-Forderung wenig sagen:

„Ganz zu schweigen von dem Recht auf Alter, Häßlichkeit und Impotenz, dem Recht auf Syphilis und Krebs, dem Recht auf Hunger und Läuse, dem Recht auf ständige Furcht vor dem nächsten Tag, dem Recht auf typhöses Fieber, dem Recht auf unsägliche Schmerzen jeder Art...“

Computerprogramme leiden nicht, ihr Ende ist ein Fingerdruck auf der Tastatur. Wer sich im Mannesmann-Leid suhlen will, muss dann doch auf US-amerikanische Autoren der Zeit zurückgreifen. Schamps Roman hat eine „dem Leben und der Realität“ distanzierte, dem Trash (siehe das Geier-Sturzflug-Zitat) verpflichtete Betriebsebene, die zwar klug, stellenweise verdammt originell und schlicht und einfach anders als das sonst übliche sich präsentiert, aber ... Kein „Aber“, wenn es darum geht, die Frage zu beantworten, ob dieser Roman lesenswert sei: Ja (und 1:0 für Schamp).












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